Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung für unsere Gas- und Stromkunden

Stand 21.11.2022

Angesichts der stetig steigenden Energiepreise stehen viele Verbraucher vor einer enormen Belastung. Diese möchte die Bundesregierung abfedern. Sie hat deshalb eine Reihe von Maßnahmen geplant. Seit der Zustimmung des Bundesrats am 14. November ist die staatliche Soforthilfe für Gaskunden in Höhe von neun Milliarden Euro beschlossene Sache. Was genau dahinter steckt und welche weiteren Entlastungen für die Bürger in Planung sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

1. Keine Dezember-Zahlungen für Gaskunden

Die Entlastungsmaßnahme gilt für Haushalte und kleinere Unternehmen mit einem Jahresverbrauch bis zu 1,5 Millionen Kilowattstunden, also alle, die Erdgas nicht für den kommerziellen Betrieb von Energieerzeugungsanlagen nutzen. Sie müssen im Dezember keine Gas-Abschlagszahlung oder Vorauszahlung entrichten. Unabhängig vom Jahresverbrauch können soziale Einrichtungen (beispielsweise Kindertagesstätten oder Pflegeheime) sowie Forschungs- oder Bildungsinstitutionen diese Maßnahme ebenfalls beanspruchen.

Ziel der Maßnahme: Eine Entlastung der Gaskunden von den dramatisch gestiegenen Kosten. Das Ganze soll als Überbrückung dienen, bis im Frühjahr des kommenden Jahres die geplante Gaspreisbremse in Kraft tritt.

Von Verbraucherseite ergeben sich mit der Entscheidung eine Reihe von Fragen. Diese sind nachfolgend beantwortet.

Für weitere Fragen stehen wir gerne unter der Rufnummer 0234 / 414 700 980 zur Verfügung.

Wie hoch ist die Entlastungszahlung?

Die endgültige Höhe der Entlastung wird im Rahmen der nächsten Jahresrechnung ausgewiesen.

Der prognostizierte Gasverbrauch für September 2022 (1/12 des Jahresverbrauchs), wird mit Ihrem im Dezember 2022 gültigen Arbeitspreis multipliziert. Hinzu wird 1/12 des Jahresbruttogrundpreises gerechnet.

Wir haben eine Beispielrechnung auf Basis der folgenden Annahmen für Sie vorbereitet:

  • Ein Energieversorger hat für seinen Kunden einen Jahresverbrauch in Höhe von 12.000 kWh (Stand 01.09.2022) prognostiziert. 1/12 davon sind 1.000 kWh.
  • Der Arbeitspreis des Kunden liegt Stand 01.12.2022 bei 15 ct/kWh (brutto).
  • Der Grundpreis beträgt Stand 01.12.2022 10 Euro/Monat.
BerechnungErgebnis
1.000 kWh x 15 ct/kWh150,00 €
+ 10 Euro Grundpreis10,00 €
Soforthilfe Dezember (brutto)160,00 €

Im Rahmen der turnusmäßigen Jahresrechnung erfolgt zudem ein Abgleich zwischen der nicht geleisteten Voraus- oder Abschlagszahlung für Dezember und dem endgültigen Betrag der einmaligen Entlastung.

Was muss ich tun, um die Soforthilfe zu erhalten?

Bei der monatlichen Abschlagszahlung gibt es verschiedene Zahlungsoptionen.

  • Wenn Sie uns eine Einzugsermächtigung erteilt haben, besteht kein weiterer Handlungsbedarf. Wir werden im Dezember keinen Abschlag einziehen.
  • Wenn Sie Ihre Abschläge per Überweisung oder Dauerauftrag bezahlen, können Sie Ihre Zahlung im Dezember einmalig aussetzen. Erst im Januar steht die nächste Zahlung an.

Darüber hinaus finden Sie die Einzelheiten zu den Sonderregelungen im Gesetz.

Muss ich etwas unternehmen, wenn der Abschlag für Dezember bereits überwiesen ist?

Nein. Wenn Sie Ihre Abschlagszahlung bereits geleistet haben, wird diese Ihrem Kundenkonto zusätzlich zur Soforthilfe gutgeschrieben und in der nächsten Jahresrechnung an Sie berücksichtigt.

Wer finanziert die Soforthilfe?

Die notwendigen Mittel für die Dezember-Soforthilfe werden vom Bund zur Verfügung gestellt. Die ausgefallenen Dezemberzahlungen können sich die Versorgungsunternehmen über die Kreditanstalt für Wiederaufbau erstatten lassen.

2. Strom- und Gaspreisbremse

Im März 2023 soll nach aktuellem Stand die Strom- und Gaspreisbremse in Kraft treten, um die Privathaushalte und kleinen Unternehmen zu entlasten.

Nach aktuellem Gesetzgebungsstand soll der Strom- und Gaspreis für 80 % des Vorjahresverbrauchs gedeckelt werden. Für Strom auf 40 Cent(brutto) und für Gas auf 12 Cent (brutto) pro Kilowattstunde. Die restlichen 20 % werden zum regulären Preis berechnet.

3. Keine Gasbeschaffungsumlage, weitere Umlagen bleiben

Die Gasbeschaffungsumlage, eine zusätzliche Abgabe für deutsche Gaskunden, wird es nicht geben. Die seit dem 01.10.22 gültige Gasspeicherumlage in Höhe von 0,059 ct/kWh sowie die Bilanzierungsumlage in Höhe von 0,57 ct/kWh werden jedoch in Rechnung gestellt.

4. Mehrwertsteuersenkung auf Gas

Mit dem „Gesetz zur temporären Senkung des Umsatzsteuersatzes auf Gaslieferungen über das Erdgasnetz“ wird der Umsatzsteuersatz auf Gaslieferungen rückwirkend ab dem 1. Oktober 2022 bis Ende März 2024 von 19 auf 7 % gesenkt. Laut einer Berechnung der Bundesregierung bedeutet dies bei einem geschätzten Gasverbrauch von 20.000 kWh für einen Vier-Personenhaushalt eine Entlastung von ca. 400 Euro pro Jahr.

Einen aktuellen Lagebericht zur allgemeinen Gasversorgung in Deutschland finden Sie auf der Seite der Bundesnetzagentur.

Kann ich wegen der Entlastungsmaßnahmen, meine Energieeinspar-Bemühungen nun einstellen? 
Nein. Weiterhin ist die Einsparung von Strom und Gas von großer Bedeutung.
Denn:

  • Energie bleibt sehr teuer. Und von der geplanten Gaspreisbremse werden lediglich 80 % des Vorjahresverbrauchs abgedeckt. Das heißt: Die restlichen 20 % werden zum regulären Preis berechnet.
  • Energieeinsparungen tragen zur Versorgungssicherheit in Deutschland bei. Auch wenn die Gasspeicher Stand heute noch gut gefühlt sind, gestaltet sich die Beschaffung vom Gas aus dem Ausland als schwierig und kostenintensiv. Die Situation auf dem Energiemarkt bleibt weiterhin angespannt.
  • Jede eingesparte Kilowattstunde leistet einen Beitrag zur Energiewende und ist somit ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz.

Wertvolle und praktikable Energiespartipps erhalten die Verbraucher auf der Homepage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, BMWK.