Strompreis 2026: Warum sinkende Netzentgelte nicht automatisch für eine günstigere Stromrechnung sorgen

2026 gibt es eine gute Nachricht für Stromverbraucherinnen und Stromverbraucher: Der Bund bezuschusst die Übertragungsnetzkosten mit 6,5 Milliarden Euro. Dadurch werden die Netzentgelte gedämpft – und Haushalte können bei den Stromkosten entlastet werden.

Doch was bedeutet das konkret für die eigene Stromrechnung?

Wichtig ist: Sinkende Netzentgelte sind nicht automatisch gleichbedeutend mit einer entsprechend sinkenden Stromrechnung. Denn Netzentgelte sind nur ein Teil des Strompreises. Außerdem unterscheiden sich die Netzentgelte je nach Netzgebiet und auch andere Bestandteile des Strompreises können sich verändern. Wie stark die Entlastung tatsächlich im eigenen Haushalt ankommt, hängt deshalb von mehreren Faktoren ab.

Was sind Netzentgelte überhaupt?

Bevor wir uns anschauen, was sich 2026 ändert, lohnt sich ein Blick auf die Stromrechnung.

Wenn Strom vom Kraftwerk oder von einer anderen Erzeugungsanlage bis in die Wohnung gelangt, wird das Stromnetz genutzt. Die Kosten für Betrieb, Wartung und Ausbau dieser Netzinfrastruktur werden über die sogenannten Netzentgelte finanziert.

Sie sind damit ein Bestandteil des Strompreises und werden vom Stromlieferanten über die Rechnung an die Kundinnen und Kunden weitergegeben. Für Haushalte machen Netzentgelte einschließlich der Kosten für Messung und Messstellenbetrieb ungefähr ein Viertel des Strompreises aus.

Daneben enthält der Strompreis weitere Bestandteile, unter anderem die Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb sowie Steuern, Abgaben und Umlagen.

Die Grafik zeigt die Zusammensetzung des Strompreises für Privathaushalte im Jahr 2026: Rund 41,3 Prozent entfallen auf Stromerzeugung, Beschaffung und Betrieb, 24,8 Prozent auf Netzentgelte, 17,9 Prozent auf sonstige Abgaben und 16 Prozent auf die Mehrwertsteuer. Die genauen Anteile verändern sich von Jahr zu Jahr. Die Grafik dient deshalb vor allem dazu, die Größenordnung der einzelnen Bestandteile zu veranschaulichen.

Das macht deutlich: Selbst wenn ein Bestandteil des Strompreises sinkt, muss der Gesamtpreis nicht im gleichen Verhältnis sinken.

Was ändert sich bei den Netzentgelten 2026?

Für 2026 hat der Bund einen Zuschuss von 6,5 Milliarden Euro zu den Übertragungsnetzkosten beschlossen. Der Zuschuss wird aus dem Klima- und Transformationsfonds finanziert und bei der Kalkulation der Übertragungsnetzentgelte berücksichtigt. Dadurch werden diese Kosten für das Jahr 2026 deutlich gedämpft.

Die Entlastung ist dabei durchaus relevant: Die Bundesnetzagentur hat für die 15 einwohnerstärksten Netzbetreiber mit zusammen knapp 39 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern ermittelt, dass die Netzentgelte für Haushaltskunden im Durchschnitt um knapp 2 Cent pro Kilowattstunde sinken.

Das bedeutet aber nicht, dass die Netzentgelte in ganz Deutschland überall um genau 2 Cent pro Kilowattstunde sinken.

Denn der Zuschuss betrifft zunächst die Übertragungsnetzkosten. Haushalte sind in der Regel an ein regionales Verteilnetz angeschlossen. Die Kosten der vorgelagerten Netze werden zwar über die Netzhierarchie weitergegeben und beeinflussen damit auch die Kosten in den Verteilnetzen. Die konkrete Höhe des Netzentgelts hängt aber zusätzlich von den Bedingungen des jeweiligen Netzgebiets ab.

Warum sinken die Netzentgelte nicht überall gleich?

Deutschland verfügt über eine große Zahl unterschiedlicher Stromnetze. Haushalte sind jeweils einem bestimmten Netzgebiet zugeordnet. Die dort geltenden Netzentgelte können sich deutlich voneinander unterscheiden.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Die Kosten für Betrieb und Ausbau der Netze sind regional unterschiedlich, ebenso die Anzahl der angeschlossenen Verbraucher und Erzeugungsanlagen sowie die jeweilige Netzstruktur.

Auch die zunehmende Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen kann sich regional unterschiedlich auf die Netzkosten aus. Die Bundesnetzagentur hat deshalb bereits für 2025 ein Verfahren eingeführt, mit dem bestimmte Mehrkosten aus der Integration erneuerbarer Energien bundesweit verteilt werden. Besonders belastete Regionen werden dadurch entlastet.

Für Verbraucher bedeutet das: Es gibt nicht das eine Netzentgelt für ganz Deutschland. Entscheidend ist immer, in welchem Netzgebiet sich der eigene Haushalt befindet.

Der Bundeszuschuss sorgt also für eine Entlastung bei den Übertragungsnetzkosten – daraus lässt sich aber keine pauschale Aussage ableiten, dass jedes einzelne Netzentgelt in Deutschland um denselben Betrag sinkt.

Warum wird die Stromrechnung nicht automatisch genauso viel günstiger?

Der wichtigste Grund: Netzentgelte sind nur ein Bestandteil des Strompreises.

Vereinfacht lässt sich der Strompreis in mehrere Bereiche aufteilen:

• Strombeschaffung und Vertrieb
• Netzentgelte
• Messung und Messstellenbetrieb
• Steuern
• Abgaben und Umlagen

Verändert sich nur einer dieser Bestandteile, verändert sich dadurch nicht automatisch die gesamte Stromrechnung im gleichen Umfang. Die Bundesnetzagentur weist ausdrücklich darauf hin, dass sich die Auswirkung auf den Strompreis auch danach richtet, was im jeweiligen Stromvertrag vereinbart wurde.

Hinzu kommt: Auch die anderen Preisbestandteile können sich verändern. Sinkende Netzentgelte können deshalb beispielsweise durch höhere Kosten an anderer Stelle teilweise ausgeglichen werden. Umgekehrt können zusätzliche Entlastungen bei anderen Bestandteilen den Strompreis weiter reduzieren.

Deshalb gilt: Eine Entlastung bei den Netzentgelten ist real – sie ist aber nicht automatisch eine gleich hohe Entlastung bei der gesamten Stromrechnung.

Was kommt bei einem Haushalt tatsächlich an?

Wie viel ein Haushalt konkret spart, hängt von mehreren Faktoren ab.

1. Das eigene Netzgebiet
Der erste entscheidende Faktor ist der Wohnort. Die Netzentgelte werden regional festgelegt und unterscheiden sich deshalb je nach Netzgebiet. Auch die Wirkung des Bundeszuschusses fällt entsprechend unterschiedlich aus.

2. Der eigene Stromverbrauch
Die Netzentgelte für Haushalte bestehen unter anderem aus einem Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Wer mehr Strom verbraucht, zahlt deshalb grundsätzlich auch mehr von einem verbrauchsabhängigen Netzentgelt.

Das bedeutet gleichzeitig: Die absolute Entlastung fällt bei einem höheren Verbrauch größer aus, wenn der Preisbestandteil pro Kilowattstunde sinkt.

Ein vereinfachtes Beispiel:
Sinkt ein verbrauchsabhängiger Preisbestandteil um 2 Cent pro Kilowattstunde und ein Haushalt verbraucht 3.500 Kilowattstunden im Jahr, entspricht das rechnerisch einer Entlastung von rund 70 Euro pro Jahr – bevor weitere Preisbestandteile und die Mehrwertsteuer berücksichtigt werden. Das Beispiel zeigt: Eine Veränderung pro Kilowattstunde kann sich auf die Jahresrechnung auswirken. Wie hoch die tatsächliche Entlastung ausfällt, hängt aber vom individuellen Preis und Verbrauch ab.

3. Der eigene Stromtarif
Auch der Stromtarif spielt eine wichtige Rolle. Ob und wann Änderungen bei den Netzentgelten im konkreten Arbeitspreis oder Grundpreis ankommen, hängt von den vertraglichen Bedingungen und der Preisgestaltung des Lieferanten ab.

Die Bundesnetzagentur weist darauf hin, dass Lieferanten Änderungen bestimmter staatlich regulierter Preisbestandteile im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben berücksichtigen müssen. Ob sich der Strompreis eines konkreten Vertrags reduziert, hängt jedoch von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab.

Was können Verbraucher selbst tun?

Politische Maßnahmen können die Energiekosten beeinflussen – auf die Höhe des eigenen Stromverbrauchs haben Verbraucherinnen und Verbraucher dagegen unmittelbar Einfluss.

Wer seine Stromkosten dauerhaft reduzieren möchte, sollte deshalb nicht ausschließlich auf allgemeine Preisentlastungen warten. Ein Blick auf den eigenen Verbrauch kann sich lohnen:

• Welche Geräte verbrauchen besonders viel Strom?
• Wo lässt sich ohne großen Aufwand Strom einsparen?
• Wie hoch ist der eigene Jahresverbrauch?
• Passt der aktuelle Stromtarif noch zum eigenen Verbrauch?

Auch der Tarif selbst kann einen Unterschied machen. Je nach Verbrauchssituation können sich unterschiedliche Kombinationen aus Grundpreis und Arbeitspreis unterschiedlich stark auf die jährlichen Kosten auswirken.

Wer seinen Stromtarif regelmäßig überprüft, kann deshalb besser einschätzen, ob er von aktuellen Preisentwicklungen profitiert und ob der eigene Tarif weiterhin zur persönlichen Verbrauchssituation passt.

Was bedeutet das für Verbraucher 2026?

Die Entwicklung lässt sich auf eine einfache Formel bringen:

Der Bund entlastet die Stromnetzkosten – aber nicht pauschal die gesamte Stromrechnung.

Die 6,5 Milliarden Euro Bundeszuschuss sorgen 2026 für eine echte Entlastung bei den Übertragungsnetzkosten. Bei vielen Haushalten kommt davon auch etwas an. Nach Berechnungen der Bundesnetzagentur sinken die Netzentgelte bei den 15 einwohnerstärksten Netzbetreibern für Haushaltskunden durchschnittlich um knapp 2 Cent pro Kilowattstunde.

Fazit

2026 sinken die Kosten für die Übertragungsnetze durch den Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro deutlich. Das kann auch private Haushalte entlasten.

Die wichtigste Erkenntnis lautet deshalb:
Sinkende Netzentgelte sind nicht gleich sinkende Strompreise.

Wer seine Stromkosten dauerhaft im Blick behalten möchte, hat verschiedene Ansatzpunkte: den eigenen Verbrauch prüfen und reduzieren, besonders stromintensive Geräte identifizieren und den eigenen Stromtarif regelmäßig überprüfen. Denn politische Entlastungen können die Rahmenbedingungen verändern – die eigene Wahl des Stromtarifs und das persönliche Verbrauchsverhalten bleiben ebenfalls wichtige Stellschrauben.

Auch die Frage, woher der eigene Strom kommt, kann dabei eine Rolle spielen. Wer Strom aus erneuerbaren Energien beziehen möchte, kann sich über einen passenden Grünstromtarif informieren. Für Haushalte mit geeigneten Voraussetzungen kann darüber hinaus Solarstrom vom eigenen Dach oder aus einer gemeinschaftlichen Solaranlage interessant sein.

So lässt sich die eigene Energieversorgung Schritt für Schritt gestalten – von einem passenden Stromtarif über den eigenen Verbrauch bis hin zur Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen direkt vor Ort.

Häufig gestellte Fragen

Werden durch sinkende Netzentgelte alle Stromtarife günstiger?
Nein. Netzentgelte sind nur ein Teil des Strompreises. Ob ein Tarif günstiger wird, hängt auch von Beschaffungskosten, Abgaben, Vertriebskosten und der Preiskalkulation des jeweiligen Anbieters ab.
Warum unterscheiden sich die Netzentgelte nach Wohnort?
Netzentgelte richten sich nach dem jeweiligen Netzgebiet. Regionale Unterschiede bei Netzausbau, Infrastruktur und Einspeisung erneuerbarer Energien führen zu unterschiedlichen Kosten.
Wann wirkt sich eine Entlastung auf meine Stromrechnung aus?
Das hängt davon ab, ob und wann Ihr Stromanbieter die veränderten Kosten in seinen Tarif einrechnet. Bei bestehenden Verträgen gelten zunächst die vereinbarten Preis- und Vertragsbedingungen.
Wie kann ich meine Stromkosten unabhängig von Netzentgelten senken?
Überprüfen Sie Ihren Stromverbrauch, vermeiden Sie unnötigen Stand-by-Verbrauch und vergleichen Sie regelmäßig unsere Tarife. Ein passender Tarif kann stärker ins Gewicht fallen als einzelne Änderungen bei Netzentgelten.

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