Was kostet dein Online-Abend wirklich?

Der Fernseher läuft, der Router sorgt fürs WLAN, das Smartphone hängt am Ladekabel und vielleicht kommt später noch die Spielekonsole zum Einsatz. Ein gemütlicher Abend auf dem Sofa wirkt auf den ersten Blick nicht besonders energieintensiv.

Doch viele kleine Verbraucher laufen gleichzeitig.

Kommunikation und Unterhaltung machen zusammengenommen einen relevanten Anteil des Haushaltsstromverbrauchs aus. Nach Angaben der Verbraucherzentrale entfällt darauf durchschnittlich fast ein Drittel des Stromverbrauchs eines Haushalts – dazu zählen unter anderem Fernseher, Computer und Spielekonsolen.

Streaming braucht mehr als einen Fernseher

Wer eine Serie streamt, nutzt zu Hause meistens mehrere Geräte gleichzeitig. Dazu gehören beispielsweise:

Router → Streaming-Gerät oder Smart-TV → Fernseher → eventuell Soundsystem.

Dazu kommen Smartphones, Tablets oder Laptops, die parallel genutzt oder geladen werden. Wie viel Strom ein einzelner Streaming-Abend kostet, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind unter anderem die Geräte, ihre Leistungsaufnahme und die Nutzungsdauer.

Der Fernseher: Größe und Einstellungen zählen

Bei einem Fernseher lohnt sich nicht nur der Blick auf die Energieeffizienzklasse.

Ein großer Bildschirm kann trotz guter Effizienzklasse absolut mehr Strom benötigen als ein kleineres Modell. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, beim Kauf auch auf den konkret angegebenen Energieverbrauch zu achten.

Auch Einstellungen spielen eine Rolle. Eine sehr hohe Bildschirmhelligkeit benötigt beispielsweise mehr Energie.

Praktisch heißt das: Wer nicht ständig die maximale Helligkeit benötigt, kann die Einstellung an die tatsächlichen Lichtverhältnisse anpassen.

Router: Der Dauerläufer im Hintergrund

Anders als Fernseher oder Spielekonsole ist der Router häufig 24 Stunden am Tag aktiv.

Das ist in vielen Haushalten sinnvoll: Smartphones, Smart-Home-Geräte, Telefonie oder andere vernetzte Anwendungen können auf eine dauerhafte Verbindung angewiesen sein.

Wer das WLAN nachts tatsächlich nicht benötigt und keine abhängigen Geräte oder Dienste nutzt, kann bei geeigneten Routern beispielsweise eine WLAN-Zeitschaltung verwenden. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass dafür nicht zwingend der gesamte Router ausgeschaltet werden muss.

Gaming: Konsole, Bildschirm und Stand-by: Kleine Verbräuche summieren sich

Beim Gaming kommt ebenfalls mehr zusammen als nur die Spielekonsole.

Fernseher oder Monitor, Konsole beziehungsweise PC, Router, Controller und gegebenenfalls Soundsystem laufen gleichzeitig.

Gerade bei Spielekonsolen lohnt sich außerdem ein Blick auf den Stand-by-Modus. Manche Geräte bleiben im Hintergrund aktiv, um beispielsweise Updates herunterzuladen oder angeschlossene USB-Geräte mit Strom zu versorgen.

Wer die Funktionen nicht benötigt, kann prüfen, ob die Konsole vollständig ausgeschaltet werden kann.

Stand-by: Kleine Verbräuche summieren sich

Nach dem Film ist der Fernseher aus – zumindest scheinbar.

Viele vernetzte Geräte bleiben im Stand-by aktiv. Gerade Netzwerkgeräte unterliegen teilweise anderen Anforderungen als einfache Elektrogeräte, weil bestimmte Netzwerkfunktionen verfügbar bleiben sollen.

Deshalb lohnt sich der Blick auf Geräte, die täglich viele Stunden ungenutzt im Bereitschaftsmodus verbringen.

Eine schaltbare Steckdosenleiste kann bei geeigneten Geräten helfen, mehrere Verbraucher vollständig vom Strom zu trennen.

Aber Vorsicht: Nicht jedes Gerät sollte unmittelbar nach der Nutzung vom Netz getrennt werden. Bei bestimmten Fernsehern können beispielsweise nach dem Ausschalten noch interne Prozesse laufen. Im Zweifel helfen die Herstellerangaben.

Langsames Internet? Nicht automatisch einen schnelleren Tarif buchen

Ein ruckelnder Stream bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Internetanschluss zu langsam ist.

Auch die WLAN-Verbindung kann die Ursache sein.

Wände, Decken, Entfernung zum Router und ungünstige Routerstandorte können das Signal beeinflussen. Deshalb lohnt sich zunächst die Frage:

Ist die Internetleitung zu langsam – oder kommt das vorhandene Signal nur nicht zuverlässig am Gerät an?

Für einen Streaming-Abend kann es deshalb sinnvoller sein, zunächst das heimische WLAN zu optimieren, bevor ein Tarif mit höherer Bandbreite gewählt wird.

Mehrere Streams gleichzeitig verändern den Bedarf

Entscheidend für den Internetanschluss ist außerdem nicht nur, was genutzt wird, sondern wie viele Personen gleichzeitig online sind.

Wie Familien Internet, digitale Geräte und Online-Angebote sinnvoll in ihren Alltag integrieren können, zeigen wir auch in unserem Ratgeber zum „Digitalen Familienalltag“.

Ein einzelner Film stellt also andere Anforderungen als ein Haushalt, in dem parallel:
• ein 4K-Film läuft,
• jemand online spielt,
• ein weiteres Familienmitglied Videos schaut und
• im Hintergrund größere Downloads stattfinden.

Der passende Internetanschluss sollte deshalb zum tatsächlichen Nutzungsverhalten des Haushalts passen.

Homeoffice gehört ebenfalls zur Rechnung

Das gleiche Prinzip gilt tagsüber.

Laptop, ein oder zwei Monitore, Router, Dockingstation und weiteres Zubehör können über viele Stunden aktiv sein.

Gerade beim Computer lohnt es sich, Energiesparfunktionen zu nutzen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt beispielsweise, den Rechner bei längerer Inaktivität automatisch in einen entsprechenden Spar- bzw. Ruhezustand wechseln zu lassen.

Damit wird aus dem „Online-Abend“ schnell ein größeres Thema: Wie effizient ist eigentlich unser gesamter digitaler Alltag?

Fünf einfache Stellschrauben

Wer Energie und Internet besser nutzen möchte, kann an mehreren Stellen ansetzen:
1. Geräte wirklich ausschalten: Stand-by vermeiden, wo keine Hintergrundfunktionen benötigt werden.
2. Bildschirm sinnvoll einstellen: Helligkeit und Energiesparfunktionen anpassen.
3. Konsole überprüfen: Automatische Hintergrundaktivitäten und Stand-by-Einstellungen kontrollieren.
4. WLAN zuerst optimieren: Bei Verbindungsproblemen Routerstandort und WLAN-Abdeckung prüfen, bevor ein schnellerer Tarif gewählt wird.
5. Verbrauch sichtbar machen: Ein Strommessgerät kann zeigen, wie viel einzelne Geräte tatsächlich benötigen.

Was kostet ein Online-Abend nun?

Eine pauschale Euro-Angabe wäre wenig hilfreich. Ein moderner kleiner Fernseher hat einen anderen Verbrauch als ein großer Bildschirm; Gaming-PC und Konsole unterscheiden sich erheblich, und auch Soundsysteme oder zusätzliche Monitore verändern die Rechnung.

Wer es für den eigenen Haushalt wissen möchte, kann aber einfach rechnen:

Leistung in Watt × Nutzungsdauer in Stunden ÷ 1.000 = Stromverbrauch in kWh

Anschließend:

Stromverbrauch in kWh × Arbeitspreis = Stromkosten

Beispiel: Benötigt die gesamte Unterhaltungselektronik während eines Abends durchschnittlich 250 Watt und läuft vier Stunden, ergibt das:

250 W × 4 h ÷ 1.000 = 1 kWh

Bei einem angenommenen Arbeitspreis von 35 Cent/kWh wären das 35 Cent Stromkosten.

Das ist ausdrücklich nur ein Rechenbeispiel – mit den tatsächlichen Leistungswerten der eigenen Geräte wird die Rechnung wesentlich aussagekräftiger.

Fazit: Digital genießen und trotzdem den Verbrauch kennen

Streaming, Gaming und ein gut vernetztes Zuhause gehören für viele Menschen selbstverständlich zum Alltag. Dafür müssen weder Fernseher noch Konsole ausgeschaltet bleiben.

Interessanter ist die Frage, was während und außerhalb der eigentlichen Nutzung Strom verbraucht.

Wer Geräte sinnvoll einstellt, unnötigen Stand-by-Verbrauch vermeidet und den tatsächlichen Energiebedarf kennt, kann seinen Stromverbrauch gezielter beeinflussen. Gleichzeitig lohnt es sich, beim Internet nicht automatisch „mehr Geschwindigkeit“ mit „besser“ gleichzusetzen, sondern Anschluss und WLAN an die tatsächliche Nutzung anzupassen.

Und auch beim Stromtarif lohnt sich der Blick auf die eigenen Bedürfnisse: Wer Strom aus erneuerbaren Energiequellen beziehen möchte, kann prüfen, welche Grünstromangebote am eigenen Wohnort verfügbar sind.

Häufig gestellte Fragen

Verbraucht Streaming viel Strom?
Das hängt vor allem von den verwendeten Geräten und der Nutzungsdauer ab. Neben dem Fernseher können Router, Streaming-Gerät und Soundsystem gleichzeitig Strom benötigen.
Sollte ich den Router nachts ausschalten?
Nur wenn die Internetverbindung nachts tatsächlich nicht benötigt wird. Eine WLAN-Zeitschaltung kann eine Alternative zum vollständigen Ausschalten sein.
Verbraucht eine Spielekonsole im Stand-by Strom?
Ja, je nach Gerät und Einstellung können im Hintergrund beispielsweise Updates oder andere Funktionen aktiv bleiben.
Wie berechne ich die Stromkosten meines Fernsehers?
Leistung in Watt mit den Nutzungsstunden multiplizieren und durch 1.000 teilen. Das Ergebnis in kWh wird anschließend mit dem eigenen Strompreis multipliziert.
Brauche ich für 4K-Streaming automatisch den schnellsten Internettarif?
Nein. Entscheidend sind unter anderem die Anzahl gleichzeitig aktiver Geräte und Anwendungen sowie die Qualität der WLAN-Verbindung.

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